Zweite Festmesse von Kromolicki (1914)
Abendgottesdienst am 17.5.2026 um 20.00 Uhr in der Linzer Ursulinenkirche
Nachdem leider das geplante Konzert in der schönen Wallfahrtskirche Maria Strassengel bei Graz aus organisatorischen Gründen abgesagt werden musste, laden wir jetzt am selben Tag zu einem Konzertgottesdienst in die Linzer Ursulinenkirche (Landstraße 31, 4020 Linz) ein. Wir hatten dort heuer zu Dreikönig schon einen Auftritt, der uns noch in schöner Erinnerung ist, weil die Kirche so edel klingt und das Publikum, die Gemeinde, so verständig und „gefühlsbereit“ ist.
Dazu werden wir die Zweite Festmesse von Kromolicki (1914) wiederaufnehmen, eine hochromantische Vertonung des lateinischen Messordinariums, am Vorabend des Ersten Weltkriegs in Berlin geschrieben. Der in Regensburg ausgebildete polnisch-stämmige Komponist Joseph Kromolicki war Schüler von Hans Pfitzner und 50 (!) Jahre lang Leiter des Kirchenchores St. Michael in Berlin.Das sechssätzige Werk, bestehend aus Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus und Agnus, atmet verschwenderische Romantik mit kühnen Modulationen, viel Chromatik und weitgespannter Dynamik. Den beherrschenden Einfluss von Richard Wagner in der deutschen Musiklandschaft zu dieser Zeit kann man an den wiederholten Zitaten aus seinem "Parsifal" (Gralsdarstellung) erkennen. Gleichwohl wirkt die Komposition niemals seicht oder wie ein Plagiat, sondern zeigt ehrliche Ergriffenheit eines Komponisten, der sich im "Vollbesitz", beziehungsweise in voller Beherrschung von sieben Jahrhunderten Musikgeschichte und Kompositionstechnik befand. Es gibt fast alles, was (klassische) Musik damals können sollte: fünfstimmige Akkorde, romantische Flächenklänge und jede Menge Fugen und Fugati. Diese mitteleuropäische Tradition, dass jeder Komponist auf dem Fundament der Musikgeschichte gleichsam ruhte und trotzdem erstaunlich eigenständig und originell sein konnte, fand im selben Jahr mit dem Ersten Weltkrieg ihr Ende. Danach glaubte man nur noch, in einem Bruch mit der Vergangenheit das Heil zu finden.
Höhepunkte des prächtigen Werkes: "Incarnatus" im Credo im schwebenden pianissimo im Stile einer späten Wagner-Oper, Sanctus ultralangsam, leise und romantisch, sowie die Schlussfugen im Gloria und Credo.
Zusätzlich wird es noch etwas Bach auf dem Flügel geben.