„Zu meiner Seelen Seligkeit“
Martin Luther Kirche (Martin Luther Platz 2, 4020 Linz, in der Innenstadt)
Beginn um 19.00 Uhr, Dauer ca. 70 Minuten, Eintritt frei, Spende jedoch erbeten.
Unser Vokalensemble tritt im September erstmals in der Linzer Martin Luther Kirche auf, mit jeder Menge neuem Repertoire.
Wir werden mit Mendelssohns 22. Psalm beginnen („Mein Gott, warum hast Du mich verlassen“), einem alttestamentarischen Werk, einem Dialog zwischen Solisten und Chor über menschliches Elend und die Notwendigkeit, Gott zu preisen, um Hilfe und ewiges Leben zu erhalten. Felix Mendelssohn wurde, obwohl jüdischer Abstammung, christlich erzogen und wir finden in seinen Psalmen eine faszinierende Mischung zwischen jüdischer und christlicher Empfindungswelten vor. Die „Schlichtheit“ der Musik entfesselt eine ganz große Wirkung und man meint, im Altertum unter Juden zu sein.
Danach begeht Wohlsang seinen ersten Bach. Beim bezaubernden Frühwerk, der Motette „Ich lasse Dich nicht, Du segnest mich denn“ war lange die Bachsche Urheberschaft angezweifelt, ist heute aber wissenschaftlich abgesichert. Wenn man die Musik hört, sollten aber keinerlei Zweifel aufkommen. Wenn bei der Schlussfuge die Soprane den Cantus Firmus „Weil Du mein Gott und Vater bist“ anstimmen, kommt etwas auf, was nicht von dieser Welt ist. Johann Sebastian Bach und seine Seelenverbindung zu seinem Gott.
Dann wenden wir uns einer weiteren Psalmenvertonung zu: Auf Deutsch „Herr wie lieblich sind Deine Wohnungen“, im Originaltitel „and the swallow“. Die lebende amerikanische Komponistin Caroline Shaw wollte damit ein Zeichen für Flüchtlinge setzen, ein Anliegen, das sich durch viele ihrer Werke zieht. Die Musik ist unglaublich fein, und da Caroline Shaw auch selbst singt, hat sie Gefühl, wie man ein Vokalensemble zum Klingen bringt. Ein Beispiel für „Neue Musik“, die genauso wie die anderen Werke dieses Abends unmittelbar das Herz des Zuhörers berührt.
Samuel Barber hat 1938 sein berühmtes „Adagio for Strings“ komponiert und es auch in einer vokalen Fassung („Agnus Dei“) herausgegeben. Erstaunlicherweise klingt die Vokalfassung ebenso gut wie die Fassung für Streicher und übertrifft jene sogar in Spiritualität. Archaische Akkorde und ekstatische riesige Bögen bestimmen diese Musik.
Darauf folgt als Schluss und Höhepunkt des Konzertes Frank Martins „Messe pour double Choeur a cappella“ von 1926, das erklärte Lieblingsstück des Ensembles. Der Genfer Komponist veröffentlichte es 40 Jahre lang nicht, weil er es ansah als „eine Sache zwischen Gott und mir“. Erfreulicherweise wurde es aber in den 1960ern entdeckt. Und tatsächlich scheint man Gottes Liebe zu seinen Menschenkindern hören zu können.
Also ein sehr „göttliches“ Programm, zu dem wir herzlich einladen.
Durch das Programm wird Otto Hasibeder, Bassist unseres Ensembles führen.